Wenn eine Hochbegabung im Sinne eines Gesamt-IQ-Wertes von 130 oder mehr festgestellt wurde oder aufgrund von Verhalten etc. angenommen wird, sind Eltern verständlicherweise zunächst einmal verunsichert. Wie geht man mit einem solchen Kind um, wie wird man ihm gerecht ?
In ihrer Persönlichkeit sind hochbegabte Kinder so unterschiedlich wie andere Kinder auch. Den Königsweg im Sinne einer Art Gebrauchsanweisung zur Hochbegabtenförderung kann es also nicht geben. Jeder Fall ist anders, und was dem einen Kind hilft, muss für das andere nicht unbedingt richtig sein. Maßstab für eine Hochbegabtenförderung sollte also das individuelle Wohlergehen des Kindes sein, das die optimale Entfaltung seiner Persönlichkeit ermöglicht, in der die intellektuelle Begabung eine wesentliche, aber nicht die einzige Facette darstellt.
Sehr häufig verlangen hochbegabte Kinder mehr „input“ als andere. Sie verstehen schneller, stellen schneller Zusammenhänge her und laufen schneller Gefahr, sich zu langweilen. Gleichzeitig haben sie dadurch u.U. auch Probleme mit Gleichaltrigen, die ihre Gedankengänge nicht teilen können oder wollen. Mit anderen Worten: Sie müssen erheblich mehr Anstrengungen erbringen, um sich in eine Gruppe Normalbegabter zu integrieren, als ihre nicht hochbegabten Peers. Bei vielen ist die Langeweile, die Unterforderung, so groß, dass sie spezielle Unterstützung durch Kindergärten, Schule und Elternhaus brauchen – und leider entwickelt auch ein nicht ganz kleiner Anteil von Hochbegabten aufgrund von Unterforderung oder Integrationsschwierigkeiten Verhaltensauffälligkeiten oder andere psychische Probleme.
Für hochbegabte Kinder ist es daher besonders wichtig, dass ihr Umfeld ein genaues Auge auf ihre jeweiligen Bedürfnisse hat und dass, wenn sich Unterforderungs- oder Integrationsprobleme abzeichnen, schnell und individuell auf diese reagiert wird.
Ulrike Wolf, DGHK-BB





